25.8.05

Ga-ga Gadget!

Unsinniges über "Widgets" in der Netzwelt.

SPIEGEL ONLINE testet den Google Desktop 2 und schreibt über dessen "Widgets", kleine Hilfsprogramme, die Informationen auf dem PC-Desktop anzeigen:
Das Konzept ist nicht wirklich neu, früher hießen solche Progrämmchen TSR oder PIM. Widgets gibt es für Windows, Mac OS und Linux/Unix.
Hier geht eine Menge durcheinander: "PIM" ist ein Akronym für "Personal Information Manager" und bezeichnet gewöhnlich Programme, die Adressen- und Terminverwaltung, Aufgabenlisten und Notizblock kombinieren, nicht aber, wie es im SPIEGEL ONLINE-Artikel heißt, "Temperaturen, Aktienkurse oder News" anzeigen. Richtig surreal ist die Definition und Herleitung von "Widget":
Der Begriff Widget setzt sich aus "Windows" und "Gadgets" zusammen - wobei mit Windows nicht das Microsoft-Betriebsystem sondern "X Windows" aus der Unix-Welt gemeint ist.
Ein Blick in die Wikipedia hätte hier nicht geschadet:
Widget is a general-purpose term, or placeholder name, for any unspecified device, including those that have not yet been invented. It is commonly used in textbook and other examples where the identity of the product or function is irrelevant and could be distracting: students may be asked to design a business plan for the XYZ Widget Company.
Der Wikipedia-Artikel erklärt auch, dass in der Softwareentwicklung graphische Bedienelemente von Programmen - aber nicht nur diese - als "widgets" firmieren. Mit dem X-Window-System (das übrigens nicht "X-Windows" heißt) aus der Unix-Welt hat dies jedoch nichts zu tun. Ganz im Gegenteil bringt das X-Window-System selbst keine graphischen Bedienelemente mit, sondern erhält diese erst durch zusätzliche Software.

Nachtrag

Der Wortfeld-Blog kritisiert diese Kritik und verweist auf zwei andere Wikipedia-Artikel (diesen in der englischen und diesen in der deutschen Fassung), deren Definitionen von "widget" sich mit dem SPIEGEL ONLINE-Artikel decken:
Netzwelt-Spiegel beklagt sich über einen Artikel zu Widgets. Laut SpOn ist der Begriff eine Zusammenziehung von Windows und Gadget und stammt ursprünglich aus der X-Window-Welt. Netzwelt-Spiegel: “Ein Blick in die Wikipedia hätte hier nicht geschadet”. Dort steht allerdings: “Some say that the word ‘widget’ is derived from the combination of ‘window’ and ‘gadget’.” Auch dies: “Der Begriff wurde zunächst auf derartige Elemente im X-Window-System angewendet.”
So sei diese Notiz wie folgt korrigiert: Laut Webster's Ninth Collegiate Dictionary ist das Wort "widget" ein "alter. of gadget" und bedeutet entweder "gadget" oder "an unnamed article considered for purposes of hypothetical example". Dem Lexikon zufolge wurde das Wort im Jahr 1926 erstmals nachgewiesen, so dass es sich bei der zweiten, widersprüchlichen Angabe der Wikipedia mit fast sicherer Wahrscheinlichkeit um eine Pseudo-Herleitung handelt. Die Definition in der deutschen Wikipedia - die offenbar die Quelle für die SPIEGEL ONLINE-Formulierung war - ist in der zitierten Form falsch [und wurde deshalb gerade geändert...].

2 Kommentare:

Anonymous Anonym said...

ihr seid witzig :)

29/8/05 17:39  
Anonymous Grant Zachman said...

are you serious?

27/12/05 18:39  

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