25.8.05

SPIEGEL ONLINE macht in Analyse

Nach der Agenda 2010 nun "Google 2010": SPIEGEL ONLINE "analysiert denkbare Szenarien" der Zukunft des Internet-Unternehmens - mit Merkwürdigkeiten im Detail.

Am Anfang des Artikels ein Widerspruch: "Chat-Software, E-Mail, personalisierte Homepages - Google bietet zunehmend Produkte an, die mit klassischer Internetsuche nichts zu tun haben", heißt es im Aufmacher, dass jedoch "alle bisherigen Projekte mit dem Aufspüren und Sortieren von Informationen zu tun" hätten - der "E-Mail-Service Gmail etwa googelt das Postarchiv" - drei Absätze später.

Der Satz "'Google macht in Suche'", der "auf der Homepage" stehen soll, lässt sich selbst per Google-Suche nicht auf Google finden. Vielmehr heißt es nicht auf der Homepage, sondern der Seite http://www.google.com/intl/en/corporate/tenthings.html: "Google does search". In weniger grauenhaftem Deutsch könnte man den Satz als "Google kümmert sich ums Suchen" übersetzen.

Eine widersprüchliche Meinung hat der Artikel von Googles Software-Entwicklern. Einerseits kursiere Spott, "Google habe einfach zu viel Geld und zu viele brillante Programmierer"; andererseits habe Google "kleine Start-Ups mit interessanter Technologie" aufgekauft, die "Googles code monkeys dann weiterentwickelten". Wie im Jargon File steht, einer Standardreferenz für Terminologie der Programmiererkultur, ist "code monkey" im Englischen mildly insulting: "a person only capable of grinding out code, but unable to perform the higher-primate tasks of software architecture, analysis, and design". (Google-Programmierer wie Rob Pike, den Architekten des Betriebssystems Plan 9, "code monkeys" zu nennen, wäre allerdings keine leichte Beleidigung mehr.)

Schließlich versteigt sich der Autor zur Behauptung: "Derzeit kann Microsofts Betriebssystem Festplatten de facto nicht durchsuchen". Tatsächlich beherrscht die Windows-Suchfunktion schon seit einem Jahrzehnt Datei- und Volltextsuche auf der Festplatte - nur keine indizierte Suche, die wie eine Web-Suchmaschine passende Dateien augenblicklich findet und relevanzsortiert auflistet.

Nachtrag
Auch hier kritisiert der Wortfeld-Blog:
SpOn schreibt, dass “Googles code monkeys” die Ideen von Startups weiterentwickeln. Netzwelt-Spiegel sieht das als Beleidigung und verweist auf den Eintrag code monkey in der Begriffssammlung Jargon File. Und wählt dann von den drei Definitionen diejenige aus, die zu dieser Ansicht passt.
Hier die drei Definitionen von "code monkey" aus dem Jargon File:
  1. A person only capable of grinding out code, but unable to perform the higher-primate tasks of software architecture, analysis, and design. Mildly insulting. Often applied to the most junior people on a programming team.
  2. Anyone who writes code for a living; a programmer.
  3. A self-deprecating way of denying responsibility for a management decision, or of complaining about having to live with such decisions. As in "Don't ask me why we need to write a compiler in COBOL, I'm just a code monkey."

4 Kommentare:

Anonymous Anonym said...

Ich sehe keinen Widerspruch zwischen dem Anfang des Artikels und den folgenden Absätzen. Google Talk und eine "personalisierte Homepage" haben m. E. keinen Bezug mehr zur "klassichen Internetsuche", ja weder zum Klassischen noch zur Internetsuche.

27/8/05 12:06  
Blogger skOre said...

Seit wann hat google denn eigene Homepages anzubieten?

Auch scheint gmail schon irgendwie ein e echte Mailbox und nicht nur eine Mailboxsuchmaschine zu sein :D

28/8/05 16:54  
Blogger Marcus said...

Der Widerspruch liegt zwischen

(a) der Anfangsaussage: "Google bietet zunehmend Produkte an, die mit klassischer Internetsuche nichts zu tun haben"

(b) der späteren Behauptung, dass "alle bisherigen Projekte mit dem Aufspüren und Sortieren von Informationen zu tun"
hätten und die Logik der klassischen Internetsuche auf andere Bereiche ausdehnen ("der E-Mail-Service Gmail etwa googelt das Postarchiv").

28/8/05 18:37  
Blogger aha said...

Zitat:
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Schließlich versteigt sich der Autor zur Behauptung: "Derzeit kann Microsofts Betriebssystem Festplatten de facto nicht durchsuchen". Tatsächlich beherrscht die Windows-Suchfunktion schon seit einem Jahrzehnt Datei- und Volltextsuche auf der Festplatte - nur keine indizierte Suche, die wie eine Web-Suchmaschine passende Dateien augenblicklich findet und relevanzsortiert auflistet.
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Im Kontext des Artikels bezeichnet "Suche" bzw. "suchen" die indizierte Suche, insofern ist die kritisierte Aussage m.E. okay. Daran zu kritisieren ist irgendwie Kniebohrerei. Um da die Unterschiede zu erklären müsste der Autor erstmal indexieren erklären und und und.

30/8/05 14:47  

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